Vor ein paar Wochen fuhr ich mir meiner Freundin in richtung Tschechien, sehen ob man günstig einkaufen kann. Ein Umzug „relativ“ nah an die Grenze (Amberg) bringt viele neue Sachen zum erkunden.
Auf dem Hinweg entdeckten wir ein Hinweisschild für das KZ Flossenbürg. Durch meine Eltern bin ich, was die Thematik Nationalsozialismus angeht, recht gut informiert. Die Verbrechen, und auch wie es dazu kommen konnte, wurden nichtnur in der Schule sondern auch wohl vor allem Zuhause angesprochen (Ich habe das Gefühl damit gehörte ich zu einer Minderheit, deswegen führe ich das hier so Explizit auf). Vom KZ Flossenbürg hatte ich aber noch nichts gehört. Da wir Zeit hatten, und auch interesse, fuhren wir hin. Mein Dank gilt hierbei allen Menschen die dafür sorgen das solche Schilder aufgestellt, und solche Gedenkstätten errichtet und gepflegt werden.
Jeder Versuch, zu beschreiben was man gesehen und gelesen hat, eher noch wie man sich dabei gefühlt hat, ist sehr schwer. Zwei Dinge möchte ich anführen, die mir besonders in Errinerung bleiben werden.
Das erst ist der Weg durch den Keller eines Gebäudes, wo auch die Duschen waren. Der Weg, auf dem man laufen sollte, war mit durchsichtigen Platten erhöht worden. Bei jeder Tür musste man den Kopf einziehen, es wirkte eng, trotz der großen leeren Räume.
Das zweite ist ein Buch. Ich denke jeder kennt die Bilder, die von Soldaten gemacht wurden, kurz nach der Befreiung eines Konzentrationslagers. Berge von Toten, Menschen die nurnoch Haut und Knochen sind. Dazu Berichte über den Geruch von verbranntem Fleisch in der Luft. All diese Dinge kannte ich schon, trotzem gehen sie einem natürlich unter die Haut.
Aber dieses Buch, was inmitten der Ausstellung liegt, es hat mich überwältigt. Ein helles, großes Buch, es war dazu noch sehr dick. Und in diesem Buch standen, alphabetisch angeordnet, Namen. 1500 Seiten mit Namen, Geburtsdatum und Ort (falls bekannt). Und bei einem drittel der Namen auch ein Sterbedatum. Alleine durch dieses Buch zu blättern und jede seite anzuschauen hätte lange gedauert. Aber die Vorstellung, das in diesem Buch ca 100.000 Namen stehen, und ca 30.000 Sterbedaten… es war so surreal. Erst jetzt kommen mir die Gedanken, wie groß ein Buch mit allen Opfern sein müsste. Und obwohl ich an dürre und tote Menschen denke, wenn ich das Wort KZ höre, so werde ich ab jetzt auch immer an ein Buch denken müssen.